Mac McLaw

Gedichte

Gesehen

Ich habe dich gesehen.

Du hast mich gesehen.

Er hat uns gesehen.

Sie hat uns gesehen.

Es hat uns nichts ausgemacht.

Wir haben uns angesehen

und sind weggelaufen.

Hand in Hand.

Ihr habt uns nicht verstanden.

Sie hassen uns noch immer!

 

(© Mac McLaw – 24.10.2018 – published: autumn 2018)

Sterne

 

Und wenn du hochschaust,

nachts an den Himmel,

an den Sternenhimmel,

und du siehst diese unendliche Weite,

diese unendliche Dunkelheit über dir,

und diese leuchtenden Sterne über dir,

dann siehst du die Löcher in der Dunkelheit,

die die Götter hineingemacht haben.

Vor langer Zeit.

 

Es sind Löcher in der Dunkelheit,

durch die das große Licht dahinter strahlen kann,

und wir sind nicht allein,

denn wir werden beobachtet,

durch diese kleinen Löcher,

dort in der Dunkelheit.

 

Über uns.

 

(© Mac McLaw – 24.10.2018 – published: autumn 2018)

Der alte Glöckner

 

Fast taub war er.

Wie sollte man das auch vermeiden?

Watte hatten sie sich hineingepackt.

Immer Schwielen an den Händen.

Nie ohne.

 

Alles gelernt vom Vater.

Und der von seinem Vater.

Generation über Generation.

Seit dem Mittelalter.

 

Kirchtürme waren überall.

Sie wurden gebraucht.

Aber heute?

Kirchen?

Kirchtürme?

Und wer läutet heute schon noch die Glocken?

 

Alles automatisch.

Alles per Computer.

Keine Handarbeit mehr.

Und kaum noch jemand in den Kirchen.

 

Aber Religion gäbe es noch.

Haben sie ihm erklärt.

Der Islam sei im Kommen, hatte er gehört.

Den kannte er nicht.

Hatten die Glocken?

 

Nein Väterchen, hatten sie amüsiert gelacht.

Die haben keine Kirchtürme mit Glocken.

Die haben Minarette!

 

Minarette?

Sollte er vielleicht noch umschulen?

Umschulen auf Muezzin?

Nein.

Dazu war er zu alt.

 

Fast taub.

Immer Schwielen.

Generation über Generation.

Seit dem Mittelalter.

 

Zeiten ändern sich.

 

(© Mac McLaw – 9.7.2017 – published: summer 2018)

Putschversuch

 

Maschinen knattern

Panzer rollen

Menschen bangen

Medien berichten (?)

Schreckliche Ungetüme

Beherrschen die Szene

Der Mensch steht allein

Soll er mit stürzen

Oder mit stützen

Kämpfen mit Panzern

Oder gegen Panzer

Familienangst, Existenzangst

Angst im Allgemeinen

Mit Fäusten gegen Panzer.


(© Mac McLaw – aus: »Jungs weinen nicht«)

Das Große Spiel


Die welt ist ein spielplatz

ein großer spielplatz

denn auch das spiel ist

groß und vielschichtig.

es wird hier alles gespielt

vom traurigsein bis hin zum fröhlichen lachen.

der einsatz ist nicht hoch

eintritt wird keiner verlangt.

meine traurigkeit ist die erkenntnis des spiels

gespielte gefühle

zum jeweiligen zeitpunkt

am besten angebracht.

spielen macht spaß – der mehrheit

ich gelte schon lange als spielverderber

was macht das schon

außer einsamkeit.

käme doch jemand

ob himmel oder hölle

der die spielregeln zerreißen würde

und entwürfe etwas neues

diesmal kein so grausames Spiel.

 

(© Mac McLaw – aus: »Jungs weinen nicht«)

Wer ist es


Die ganze Nacht hindurch gewacht
Die Dunkelheit geschlagen
Unbemerkt geschaut, gebangt
Schöne Hände zart und stark
Schützend übern Schlaf gehalten

Am nächsten Morgen
Schlafender erfrischt erwacht
Nichts hat ihn erschüttert
Noch gequält

Der Tag beginnt
Die Sonne strahlt
Das Auto rast
Menschen fehlern
Technik schwacht
Doch einer wacht

Gefahr pulsiert allüberall
Im Kopf
Dem Wort
In Schrieb wie Sprach

Mit Ruh des Weisen
Ohn jedes Eisen
Einer wart den Überblick
Ohn Gegenleist
Ohn Neid
Noch Geld
Noch Macht

Gelüste ihm sind fern
Aus tiefstem Herzen raus
Die Liebe strömt
Er tut es gern

Wer ist es bloß?!

Nie wirst du ihn bemerken
Nie wirst du ihn erkennen
Nur einmal ihn vermissen

Deinen Schutzengel!


(© Mac McLaw – aus: »Jungs weinen nicht«)

Göttin


SCHMERZ

Oh großer Schmerz

Der Du mich läßt erzittern

TRÄNEN

Oh feuchte Tränen

Die ihr mich laßt ertrinken

LICHT

Oh blendendes Licht

Das Du mich läßt verbrennen

DUNKEL

Oh drückendes Dunkel

Das Du mich läßt fürchten

STILLE

Oh durchdringende Stille

Die Du mich läßt schreien

TOD

Oh verlockender Tod

Der Du mich so oft rufst

VEREINIGT euch

Und laßt dieses

Minderwertige, hilflose,

Ohnmächtige und blinde Geschöpf

Ruhe finden

Und der Göttin in die Augen

Schauen.


(© Mac McLaw – aus: »Jungs weinen nicht«)

Tod Eines Metro Musikanten


Schneller, weiter, lauter.
Hetze Hetze.

Kleines Gerät, große Leistung,
100e, 1000e Songs und Hörbücher.

2 Kabel, 2 Kopfhörer, laut laut!

Handgemachte Musik
in der Metro oder im Gang in der Ecke.
Hetze Hetze.

Schneller, weiter, lauter.

Niemand nimmt Notiz – handgemachte Musik…

 

(© Mac McLaw – Paris – aus: »Wie ein wilder Sturm«)

Funken Sprühen


…….Funken sprühen durch zwei Blicke

………Küsse küssen sehnsüchtig

………..Berührungen nur wie ein Vibrieren

………….alles drum herum vergessen

…………….nur noch Zwei zu zweit verbunden

……………als ob man zusammengeklebt durchs Weltall trudelt

………….keine Zeit mehr, auch kein Raum mehr

…………nur noch Zwei zu zweit verbunden

………………Weltraum…….

………………………trudeln…….

…………allein zu zweit…….  

 

(© Mac McLaw – aus: »Wie ein wilder Sturm«)

LIEBE

Alles ruhig
außen
innen
wühlende gefühle

blutig tropft
das herz
geborsten
seele gequält
bis zum zerfließen
gequätscht

verlust immense
seele wie herz
blume blaute
nur kurz
dann
verwelktnis

drachenblut
muß her
muß mich
‘drin suhlen
blut gerinnt sich
haut härtet
unverwundnis tut schön

gewappnet gegen
alles weiß nicht
nichts
was mich bohren
kann ist
das am
wegrand

jawohl kaum
drei wochen
verrannt
fast unscheinbar
muß näher sehen

ja das blauende
fast unscheinbar
klein
dies blümlein
aber schön
weicher kern sprengt
drachenhaut
kurz
glück – schmerz
bleibend
das mottO

(© Mac McLaw – aus: »Jungs weinen nicht«)

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